Ausgerüstet mit Dienstfahrzeugen und Waffen von Gefängniswärtern, sollen Häftlinge im Norden von Mexiko auf einen wahren Rachefeldzug gegen rivalisierende Drogenbanden geschickt worden sein. Die Spur zum Gefängnis Gomez Palacios fanden die Ermittler durch Munition an Tatorten. Mehrere Personen auch die Gefängnisdirektorin Margarita Rojas, wurden unter Hausarrest gestellt.
"Nach Aussagen von Zeugen durften Häftlinge mit Erlaubnis der Gefängnisleitung die Haftanstalt verlassen, um Racheakte auszuführen, für die sie offizielle Fahrzeuge und Waffen von Gefängniswärtern nutzten", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ricardo Najera am Sonntag (Ortszeit). Anschließend seien die Täter in die Haftanstalt zurückgekehrt. Laut Generalstaatsanwaltschaft sollen seit Februar Dutzende Menschen von Häftlingen des Gomez-Palacios-Rehabilitationszentrum ermordet worden sein.
Patronenhülsen aus Gewehren von Gefängniswärtern seien unter anderem nach einem Blutbad auf einer Party gefunden worden, bei der 18 Menschen erschossen wurden. Nach Erkenntnissen der Ermittler waren es aber nicht die Wachleute selbst, sondern zu diesem Zweck vorübergehend freigelassene Gefangene, die die tödlichen Schüsse abfeuerten. Zumindest zwei weitere Überfälle mit insgesamt mehr als 30 Toten in Torreon, einer Industriestadt im nördlichen Bundesstaat Durango, sollen auf das Konto der Häftlinge gehen.
"Neues Extrem"
Unklar sei laut Najero derzeit noch, wie viele Häftlinge und Wärter in die Vorfälle involviert sind. Neben Direktorin Rojas werde unter anderem gegen den Sicherheitschef und zwei weiteren hochrangige Vertreter der Haftanstalt ermittelt. Im Zuge der Ermittlungen wurden zudem mehrere Waffen sichergestellt.
Obwohl Mexikos überfüllte Gefängnisse bereits seit jeher als Zentren des organisierten Verbrechens gelten, spricht die "Los Angeles Times" von einem "neuen Extrem" im blutigen Krieg der mexikanischen Drogenkartelle. Innenminister Francisco Blake sprach laut "New York Times" von einem "Weckruf" im Kampf gegen die Drogenkriminalität und kündigte eine verschärfte Vorgangsweise gegen die von den Kartellen unterwanderten Behörden an.
Blutiger Drogenkrieg
In Mexiko tobt seit Jahren ein Krieg zwischen Drogenkartellen um Versorgungsrouten in die USA. Die Regierung stellte 50.000 Soldaten zum Kampf gegen die Banden ab, ohne bisher einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen.
Durango und andere nordmexikanische Bundesstaaten sind Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen der Drogenkartelle. Allein in diesem Jahr brachten die Behörden bereits 7.000 Todesfälle mit dem Drogenkrieg in Verbindung.
Die Staatsanwaltschaft geht mittlerweile davon aus, dass damit der Rekord von 9.000 Opfern im Jahr 2009 heuer gebrochen werde. Seit Dezember 2006, dem Amtsantritt von Präsident Felipe Calderon, kamen im Drogenkrieg insgesamt rund 25.000 Menschen ums Leben.
Quelle: NEWS.ORF.at, 26.07.2010
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